Freitag, 15. Juli 2011

Transatlantic Race 2011 - Wahnsinnserfolg für die Jugend

Wenig hitverdächtig sah es zwischendurch aus für die Jugendcrew auf der NORDDEUTSCHEN VERMÖGEN HAMBURG. Vom Start weg kamen die anderen Boote besser ins Rennen und blieben in weniger Flautenlöchern hängen, als die Hamburger Andrews 56 des Hamburgischen Vereins Seefahrt. Dann kam die Flaute auf dem Atlantik, und die Crew um Eike Holst biss sich durch. Mit offensiver Taktik schob sich das Boot mit einem Nordbogen in das Feld der schneller vermessenen Yachten aus ihrer Gruppe IRC 3, aber auch den größeren der Gruppe IRC 2, und biss sich im Nacken der Gegener fest, bis ins Ziel. Gruppenzweite, derzeit 9te über alles von 24, bestes deutsches Boot nach berechneter Zeit.

Die Gruppe IRC 2 ist vollständig im Ziel und die berechneten Ergebnisse sehen so aus:

1. ZARAFFA
2. NORDDEUTSCHE VERMÖGEN HAMBURG
3. SNOW LION
4. SCHO-KA-KOLA
5. AMBERSAIL
6. OURSON RAPIDE

Genaueres auf der Trackerseite. Diese Nacht war im Ziel noch viel mehr los, aber die Youngster-Crew soll erst einmal selbst zu Wort kommen, die anderen sollen ihren eigenen Bericht bekommen:

"Zweiter Platz für die Norddeutsche Vermögen Hamburg beim Transatlanticrace 2011!

Nach über 3000 zurückgelegten Meilen und knapp 400 Stunden auf See haben wir heute Morgen die Ziellinie südlich von Lizard Point passiert. Wer hätte das nach diesem wechselhaften und spannenden Rennen gedacht: Zweiter Platz in unserer Gruppe, zweite Jugendcrew im Feld und drittes Schiff nach berechneter Zeit in unserem Start! Hier an Bord sind mit diesem Ergebnis alle überglücklich und man freut sich sehr, bald für ein paar Tage wieder festen, wenn auch nur englischen Boden unter den Füßen zu haben!!!

In den letzen Stunden war in diesem Rennen noch einmal sämtliche Spannung gebannt: Fast der gesamte zweite, unsrige Start hatte die letzen Tage in der Flaute verbracht und segelte nun gemeinsam gen Ziel. Gut für unsere Norddeutsche Vermögen Hamburg, die in diesem Feld langsam vermessen ist und von allen anderen vergütet bekommt. Diese Wendung des Rennens hat uns für die letzten drei Tage noch einmal richtig in Race-Mode versetzt. Die erlösende Ansage der Zielzeit: 15. Juli 04:50:49 Uhr gab es dann per Funk vom Leuchtturm Lizard Point, wo das Race Commitee die Zeiten nimmt.

Derzeit liegen wir in der Gesamtwertung auf dem 9. Platz von immerhin 24 gestarteten Yachten und sind damit bestes deutsches Schiff. Hoffen wir, dass wir diese Platzierung auch gegen die Yachten aus dem ersten Start halten können, die noch einige Tage länger benötigen werden, um Englands Küste zu erreichen.

Wir möchten uns hiermit schonmal ausdrücklich bei Wibke, unserer Landstelle bedanken, die uns so konstant und gedudig mit allen Infos, Daten und den vielen Gästebucheinträgen versorgt hat. Vielen Dank!

Nun geht es auf nach Cowes, wo wir mit den anderen Crews morgen feiern werden. Ihr hört von uns auch weiterhin auf unserem Rückweg nach Deutschland, wo wir nach derzeitiger Planung zwischen dem 21. und dem 23. in Glückstadt ankommen werden.

Glückliche und entspannte Grüße schicken
Eike, Max, Jan, Johan, Johannes, Hetti, Christoph, Jerôme, Gustav, Andrés und Katrin


Position: 49° 55´645 N 005° 11'583 W

SOG: 10 kn
COG: 90°

Wind: 200° 6,0 kn
Setup: Volles Groß und A3


Diese E-Mails werden uns durch die freundliche Unterstützung von Telaurus und Nordic IT ermöglicht!"

Foto: Translatlantik-Crew 2011 der Segelgruppe Störtebeker

Donnerstag, 14. Juli 2011

Transatlantic Race 2011 - Von Vögeln auf See

Gibt es Trackerkunst? Stilvolle und manchmal sogar symmetrische Anordnung von bunten Schiffchen mit kunstvoll geschwungenen Kurslinien? Seit Tagen sind alle hübsch in einer Reihe von Nord nach Süd aufgereiht, machmal schert einer aus, um am Ende doch in die Formation zurückzukehren. Sie nähern sich langsam an, um am Ende in einer noch offenen Reihenfolge in Lizard anzukommen.
Wenn die Jungs und Mädels an Bord wüßten, was man so aus ihren schwierigen taktischen Zügen herauslesen kann ... Die spinnen, die Trackgergucker...

Während über das deck der VARUNA schon irische Landluft weht (der Blog sollte zur tageslektüre gehören), hier wieder wieder die Stimme von Bord der Jugendyacht, die nach wie vor Platz 2 in der Gruppe hält:

"Hier haben doch alle einen Vogel!
Seit über vier Tagen gibt das Navigationsprogramm "Deckman" an, dass wir noch zwei Tage bis zum Ziel benötigen.

Kein Wunder in anbetracht der Tatsache, dass wir in der vergangenen Nacht (20:00 bis 08:00) lediglich 32 sm hinter uns gebracht haben. Wir bewegten uns gefühlt gar nicht vom Fleck und auch verschiedene Vorsegelwechsel änderten nichts am Bootsspeed. Vor etwa einer Stunde beschleunigten wir wieder auf rasante 6,5 kn gen Lizard Point. Eine Geschwindigkeit an die wir uns erst wieder gewöhnen mussten, dafür wissen wir sie aber zu schätzen.

In diesem Zusammenhang möchten wir ein kurzes Lob für unsere Heldin der Regatta loswerden - Lady G1: In sämtlichen Leichtwindphasen dieses Rennens, von denen wir ja genügende hatten, zahlte sie sich aus. Während unsere Gegner insbesondere in den vergangenen Tagen unter Code Zero oder Gennaker um jegliche Form des Vortriebs kämpfen mussten, konnten wir mit dem überlappenden Vorsegel hervorragende Geschwindigkeit direkt aufs Ziel fahren - ein wunderschönes Segel! Mittlerweile hat sie auch schon deutlich über 500 Seemeilen Erfahrung und freut sich auf zahlreiche weitere Einsätze.

Apropos Vogel: Nicht nur, dass Deckman uns jeden Morgen aufs neue überrascht, wir sind jetzt auch zu zwölft an Bord. Ein Vogel begleitet uns seit gestern Nachmittag und fühlt sich auf unserem Heck äußerst wohl. Es dürfen Tipps abgegeben werden, um was für ein Viech es sich genau handelt.

Gespannte Grüße
Max, Johannes, Gustav, Jerôme, Andrés, Jan, Eike, Christoph, Hetti, Katrin und Johan

Position: 50° 32´031 N 008° 55'.446 W
SOG: 6,5 kn
COG: 102°
Wind: 200° 6,0 kn
Setup: Volles Groß und G1

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Foto: Translatlantik-Crew 2011 der Segelgruppe Störtebeker

Dienstag, 12. Juli 2011

Transatlantic Race 2011 - Krimi vor der irischen Küste

Langsam wird das Blatt gelegt, und das Feld rückt auf den Kontinentalschelf. Das führt dann irgendwann zu dem Phänomen, dass der Rudergänger unruhig wird, weil nur noch wenige hundert Meter wasser unter dem Kiel sind. Man hat sich an die Kilometer Wassertiefe gewöhnt oder vielleicht sogar den Loggeber gezogen...

Die NORDDEUTSCHE VERMÖGEN HAMBURG hat wie ein Schatten das Feld von hinten eingeholt. Der Bordbericht orakelt, wer noch so in der Nähe sein könnte. Der überlegene Trackerjunkie weiß das natürlich sofort: achteraus zieht NORDWIND 8 sm entfernt ihre Bahn im Kielwasser, VARUNA, SCHO-KA-KOLA und CONCISE 2 liegen eng bei einander etwa 8 sm südwestlich, SHAKTI liegt 10 sm südlich. DRAGON fährt etwa 23 sm südlich der hamburger Jugendyacht, PRODIGY 31 sm südlich. Berechnet hat die NV sie alle derzeit in der Tasche. Gefeilscht wird aber nur noch um den 2ten Platz. Den ersten hat ZARAFFA so sicher, wie man ihn haben kann, wenn die Konkurrenz weit abgeschlagen auf See ist, und wartet im Hafen darauf, dass die anderen sich noch mühen. Huntington Sheldon hat mal wieder den Vogel abgeschossen, wie 2003, als er weit vor den anderen im Ziel in Cuxhaven ankam.

Jungs und Mädels, ihr macht es echt spannend. Danke. Und noch der Bordbericht von heute abend:


"Krimi vor der Irischen Küste

Mit Scho-Ka-Kola, Shakti und vermutlich Concise 2 in Sicht am Horizont greift das Rennfieber weiter um sich.

Während wir gespannt auf Neuigkeiten vom Festland warten und uns diebisch freuen die Flaute mit Windgeschwindigkeit zu durchqueren geht beständig die Frage um: Was ist seit gestern neues passiert?

Konnten wir unser Ergebnis der Aufholjagd beibehalten? Sind wir wiederzurückgefallen? Und vorallem: Wo zum Teufel mögen die anderen sein?


Die letzte Frage hat sich zumindest teilweise geklärt, als am Horizont ein Segelschiff gesichtet wurde und auf Kanal 16 die Scho-Ka-Kola bei ihremVersuch die Concise 2 anzufunken vernommen wurde. Ebenfalls die Shakti wurde angefunkt, womit klar war: Diese drei müssen in unserer Nähe sein.Hektisches Greifen nach dem Steiner, Scannen des Horizonts, und tatsächlichwerden zwei weitere Segel auf ca. zwei Uhr gesichtet. Fast nebenbei bemerktumschwimmen uns immer wieder Delfinfamilien und ziehen immer wieder dieAufmerksamkeit der Crew auf sich.

Warum sehen wir mal wieder niemanden auf dem AIS, welches wir seit dem Start beständig anhaben, fragen wir uns und entscheiden selbst in den Tarnmodus zu gehen: Sicherung aus! Wen wir nicht sehen können, aber in Funkreichweite haben, der kann auch kein AIS anhaben oder hat zumindest kein Recht uns beobachten zu können.
Scheinbar unbemerkt, da nicht angefunkt, schieben wir uns leewärtig deranderen stetig weiter nach Osten. Dann: Motorengeräusch - Ist jemand auf dem Macerator? Nein, eine Propellermaschine der Irischen Küstenwache überfliegt uns im Tiefflug und dreht bald ab, um auch die anderen Segler nach Besatzungsanzahl und Zielhafen zu befragen.

Ein aufregender Nachmittag, der einzelne Mitglieder der Freiwache vollkommen um den Schlaf bringt: "Erst Delfine, dann Schiff am Horizont, dann wieder Delfine und jetzt das Flugzeug - spätestens da konnte ich es in der Koje doch nicht mehr aushalten!"

Es ist und bleibt spannend auf den letzten 350 Meilen, abgerechnet wird bekanntlich im Ziel!

Eike, Katrin, Christoph, Max, Johan, Jan, Johannes, Andrés, Jerôme, Hetti und Gustav

Position:51° 09.909N 014° 03'.125 W
SOG:: 7, kn
COG: 092°
Wind: 173° 8,5 kn
Setup: Volles Groß und G1

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Foto: Translatlantik-Crew 2011 der Segelgruppe Störtebeker

Transatlantic Race 2011 - Strassengraben auf dem Teich?

Trackergucken ist ja ein Bischen wie Videospielen. Die Pünktchen summen durch die Gegend, man kann zwar nicht eingreifen und es ist alles nicht wirklich schnell, aber es passieren doch die tollsten Sachen. Wenn man jetzt guckt, ballen sich die Boote auf dem 18 Längengrad, als ob dort plötzlich Eis auf der Fahrbahn läge, oder der Straßengraben quer über die Straße verlegt worden wäre. Kein Weiterkommen.

Allein das orangene Pünktchen der NORDDEUTSCHEN VERMÖGEN HAMBURG zieht gemächlich seine Bahn im Norden und hat gerade mal noch 15 bis 20 sm aufzuholen , um mit der weit vorn gewähnten Konkurrenz SCHO-KA-KOLA, SHAKTI, VARUNA, SNOW LION, OURSON RAPIDE, PRODIGY, VANQUISH und man glaubt es kaum, auch BEAU GESTE aus dem dritten Start, gleichauf zu sein. Neustart der Regatta 500 Meilen vor dem Ziel? Da dürfte das am langsamsten vermessene blaue Boot verschmitzt lachen...

Foto: Transatlantik Race 2011/Amory Ross

Montag, 11. Juli 2011

Transatlantic Race 2011 - PUMA knackt RAMBLER, und andere Erfolge

PUMA macht das Rennen, sackt RAMBLER berechnet ein und darf sich schon sehr auf den berechneten Sieg in der Klasse und ein Bischen auch auf den Sieg über alles freuen - wenn jetzt nicht auf dem Atlantik der Weststurm ausbricht.

Die Hochdruckzone auf dem Teich hat bei so manchen die Handbremse angezogen. Abräumer der letzten Nacht Nacht sind die Youngster, VANQUISH und NORDDEUTSCHE VERMÖGEN HAMBURG. Das All American Offshore Team hat mit seiner modifizierten STP65 die schwer mit dem Wind (oder eher ohne ihn) kämpfende BEAU GESTE berechnet überholt und beansprucht derzeit den dritten Podiumsplatz in IRC 1 hinter PUMA und RAMBLER. Chapeau!

Die jungen Hamburger haben ihre Drohung wahgemacht, es anders als die Konkurrenz zu machen, die bei 19 Grad West einen großen Haufen auf dem Tracker bildet und nicht recht vorwärts kommt. Während ZARAFFA in ihrer Klasse IRC 3 uneinholbar erscheint, hat die NORDDEUTSCHE VERMÖGEN HAMBURG nur noch 40 sm Abstand auf SNOW LION und kanpp 90 sm auf SCHO-KA-KOLA, alles schneller berechnete Boote. OURSON RAPIDE und AMBERSAIL kämpfen über 100 sm südlich des Päckchens und sind auch nicht fix unterwegs. Und plopp: die Andrews 56 mit der Jugendcrew steht derzeit berechnet auf Platz 2 hinter ZARAFFA. Weiter so!

Das Foto von PUMA MAR MOSTRO ist von Dan Armstrong

Transatlantic Race 2011 - Video von ICAP LEOPARD

Die Katze mit gebrochener Nase.

Sonntag, 10. Juli 2011

Transatlantic Race 2011 - Die NORDDEUTSCHE VERMÖGEN HAMBURG und der Fastnet Rock

Jugendpreis-Gegner VANQUISH ist vorbeigezogen. RAMBLER schon im Ziel. Auf dem Südkurs wird ordentlich vergeigt. Was tun? Dazu der Bordbericht der NORDDEUTSCHE VERMÖGEN HAMBURG vom Tag 11:

"Mensch ärgere dich nicht!

Täglich fliegen wir um sechs Uhr morgens mit dem Wetterbericht erneut aus dem Spiel... Gerade hat uns die Vanquish in Sichtweite durch ein gekonntes Überholmanöver zurück ins "Häuschen" gewürfelt.

Auch heute morgen zerplatzen sämtliche Illusionen, als sich uns mit den aktuellen Gribdaten wieder eine neue Wetterwelt offenbarte. Entgegen der Vorhersagen der letzen Tage sieht es nun nicht mehr danach aus, als könnten wir noch mit Wind auf die in der Flaute liegende Konkurrenz wie erhofft gutmachen. Folglich müssen wir uns nun anders orientieren: Wir gehen auf Kurs Fastnet Rock. Den anderen im Südbogen zu folgen macht aufgrund der sich ausbreitenden Flaute keinen Sinn. Also folgen wir der alten spieltheoretischen Regel, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Verfolgers auf einen Gewinn nur dann erhöht, wenn man sich konträr zu seinen Gegnern verhält.

Außerdem haben wir alle, wenn überhaupt, den Fastent Rock bisher nur bei Nacht und Nebel erahnen dürfen und freuen uns alte Bekannte auf der Bahn wieder zu treffen ;-)

Wenn wir einen Wunsch äußern düfen: Die Notfallbox schlägt sich prima, es bedarf für die Zukunft jedoch noch ein paar Windbeutel für Fälle wie diesen.

Unterdessen frühstücken wir bei Rührei und selbstgebackenen Wurstbroten, während die Vanquish an uns mit Pappbrot vorbeizieht. Bislang haben wir aber noch Wind, brausen mit10kn nun mit leicht geschriggten Schoten gen Heimat und genießen vor der nächsten großen Flaute jede zurückgelegte Meile. Wer hätte sich gedacht, dass sich der Nordatlantik über zwei Wochen hinweg von einer so hamlosen Seite präsentiert? Liegt auch das am Klimawandel???

Viele sonnige Grüße schicken

Katrin, Eike, Gustav, Max, Johan, Jan, Johannes, Jérôme, Andrés, Christophund Hetti

Position: 50° 29'.534N 025° 53'.711W
SOG: 9kn
COG: 075°
Wind: 163° 13 kn
Setup: volles Groß und Pamela (G2)

Diese E-Mails werden uns durch die freundliche Unterstützung von Telaurusund Nordic IT ermöglicht!"

Foto: Translatlantik-Crew 2011 der Segelgruppe Störtebeker